ich habe Twitter für mich entdeckt.
Am Wochenende hatte meine Enkelin endlich mal wieder etwas mehr Zeit für uns. Dann koche ich immer ein schönes Mittagessen und wir reden stundenlang über alles, was so in der Welt passiert. An diesem Wochenende sind wir auf ein besonders interessantes Thema zu sprechen gekommen: soziale Netzwerke. In den letzten Wochen hat man in den Nachrichten immer sehr viel über diese Internetseiten gehört, besonders im Zusammenhang mit den Aufständen in Ägypten.

Ich konnte mir darunter immer nichts Richtiges vorstellen und habe mich gefragt, wie sich die Demonstranten darüber verständigen können. Nun habe ich ganz gut verstanden, wie das funktioniert und bin total fasziniert davon. Unsere Enkelin hat uns gezeigt, wie man eine Kurznachricht schreiben kann und wie genau das alles funktioniert. Damit kann man wirklich unglaublich schnell Informationen verbreiten und sich so zusammenfinden. Jetzt verstehe ich auch, warum die ägyptische Regierung dann das Internet gesperrt hat, nämlich, um genau so etwas zu vermeiden.
Natürlich ist es ein Eingriff in die Persönlichkeitsrechte, das will ich hier auch gar nicht bezweifeln, aber mich fasziniert diese Entwicklung. Dass das Internet zu so etwas fähig ist, hätte ich wirklich nicht erwartet. Ich habe mich nun etwas intensiver mit diesem Twitter beschäftigt und es ist tatsächlich extrem aktuell und wesentlich aktueller als alle anderen Nachrichten. Man gibt dort einfach einen Suchbegriff ein und dann erscheinen unendliche viele Kurzmeldungen mit Rückverweisen auf Artikel oder Bilder. Diese Seite ist wirklich sehr informativ.
Gleichgesinnte…
Am Wochenende habe ich einmal das Internet nach anderen Blogs durchstöbert, auf denen ältere Menschen schreiben und ich konnte gar nicht glauben, wie viele das sind. Ich hatte immer angenommen, ich sei eine Koryphäe auf diesem Gebiet, aber das war wohl ein wenig naiv.
Letztendlich freut es mich natürlich sehr, dass es auch so viele andere Senioren gibt, die über ihr Leben und ihre Sorgen schreiben. Ich habe mir vorgenommen, mit einigen in Kontakt zu treten. Vielleicht kann man sich ja mal treffen und austauschen. Die wissen sicher alle etwas mehr über Computer und das Internet und können mir hilfreiche Tipps geben. Meine Enkelin hat mir dann auch zum Glück erklärt, wie ich die Blogs der anderen speichern kann, damit ich immer mitlesen kann. Ich weiß sowas ja gar nicht und bin immer wieder erstaunt, was man alles mit so einem Computer machen kann.

Ich habe eine Seite gefunden, auf der viele verschiedenen Senioren Texte schreiben und veröffentlichen. Sie heißt die Senioren-Blogger und scheint schon sehr bekannt zu sein. Zumindest gibt es schier unendlich viele Artikel und Kategorien. Ich habe überlegt, dort auch einmal einen text zu schreiben, aber ich traue mich noch nicht, dort anzufragen. Ich muss mir das noch überlegen.
Aber ich bin generell sehr positiv überrascht, wie viele Senioren doch inzwischen das Internet nutzen. Das zeigt die Statistik, die ich in meinen Text eingefügt habe. Immerhin 45%- das ist doch eine recht beachtlich Leistung!
Senioren und Technik
Eigentlich sollte der Spruch doch nicht “Frauen und Technik”, sondern “Senioren und Technik” heißen, oder? Frauen stellen sich schließlich nicht halb so unfähig an wie manche Senioren. Das ist mir gestern wieder schmerzlich bewusst geworden, als ich mich mit ein paar Freundinnen zum Kaffee trinken verabredet hatte.
Theoretisch ist es ja ein Wunder, dass sie überhaupt alle ein Handy ( inklusive Handyvertrag) haben und es ist ein noch größeres Wunder, dass es auch an ist, aber sobald das Telefon einmal klingelt, bricht Panik aus: “Welchen Knopf muss ich drücken? Wie geht das wieder aus?” und vieles mehr konnte ich gestern amüsiert hören. Gut, ich habe leicht reden, weil ich ambitionierte Enkel habe, die mir alles genau erklären, aber meine Freundinnen waren wirklich sehr nett anzusehen beim Kampf mit dem Mobiltelefon.

Leider kenne ich ähnliche Situationen aus dem Alltag zu Genüge. Als wir uns einen neuen Fernseher mit DVD-Player kauften, dauerte es Wochen, bis ich endlich die Bedienung verstanden hatte und einen Film sehen konnte. Mich ärgert es, dass ich mit dieser modernen Welt nicht Schritt halten kann und auf die Hilfe meiner Nachkommenschaft angewiesen bin.
Ich fürchte, dass es einfach Standard für ältere Menschen geworden ist, dass sie sich helfen lassen müssen, egal in welcher Lebenslage sie sich auch befinden. Wir sind hilfsbedürftig. Es ist wirklich nicht leicht, sich mit dieser Erkenntnis abzufinden, aber sie wird wohl jeden ereilen, der sich jenseits der 60 bewegt.
Wie muss man sich fühlen?
Heute Mittag hatte ich mal wieder etwas zu viel Freizeit und habe deshalb den Fernseher angemacht. Ich schaute Punkt 12 auf RTL, weil die anderen Sender nur ein noch schlimmeres Programm hatten. Dort wurde über den Fall des Jungen Mirco debattiert und die Mutter eines Mörders befragt.
Auch ich stellte mir nach der Befragung die Frage, wie es wohl sein muss, die Mutter eines Mörders oder Kinderschänders zu sein. Wie auch die Familie des Mörders von Mirco hatte die befragte Frau nie etwas Seltsames an ihrem Sohn bemerkt und war völlig fassungslos, als sie erfuhr, was ihr Sohn getan hatte.

Kann man wirklich wochen- oder sogar jahrelang mit einem Mörder unter einem Dach leben und nichts bemerken oder ist das am Ende nur ein Schutzmechanismus? Ich habe mit meinem Mann am mittagstisch sehr lange darüber diskutiert und wir sind zu keinem Ergebnis gekommen. Ntürlich ist es leicht gesagt, dass man so etwas doch merken müsse, aber Liebe macht ja bekanntlich blind.
Ich glaube, dass niemand nachfühlen kann, wie es der Familie des Mörders von Mirco nun gehen muss. Sie mussten die Stadt verlassen und versuchen nun an einem unbekannten Ort ein neues Leben zu beginnen. Wie muss man sich fühlen, wenn man erst erfährt, dass der Ehemann und Vater ein Mörder und Kinderschänder ist und man dann auch noch fluchtartig die Stadt verlassen muss, weil man deswegen kein normales Leben mehr führen kann?
Dabei sollte man vor allem an die armen kinder denken, die nun wahrscheinlich in der Schule leiden müssen, weil ihr Vater ein Monster ist. Die können wirklich nichts dafür und man kann ihnen nur wünschen, dass sie nicht das Wesen ihres Erzeugers geerbt haben.